Wurstcases

Firmen, die wir nicht beraten haben

PlayBunnyMansion: Gehege zum Davonlaufen

Die Brüder Fynn, Yannick und Leon Möller blicken auf beeindruckende Erfolge als IT-Gründer zurück, u. a. der Schüler-Dating-App Ja. Nein. Vielleicht, die Facebook für 575 Mio. Dollar kaufte, und der Tracking-App PokeCatch! 2019 machten die Möllers negative Schlagzeilen, weil sie für Influencer den TikTok-Algorithmus hackten. Dank ihres Alters (14, 16 und 17 Jahre) kamen sie jedoch mit Sozialstunden im Tierheim davon. Dort entdeck- ten sie ihre neue WG-Mitbewohnerin: die Häsin Lara Croft, Inspirationsquelle ihres Offline-Geschäfts.

«Epic fail», bemerkte Fynn, als Laras Stall geliefert wurde.
«Wer stellt sich denn so was Uncooles ins Penthouse?», fragte Yannick. «Apropos Penthouse», murmelte Leon, «wir könnten Lara ein geiles Zuhause modellieren und 3D-drucken.»

 

Die Idee war geboren: spektakuläre Haustier-Gehege!

Nach drei Monaten intensiven Programmierens brachten die Möllers ihr

Immobilienportfolio auf den Markt: den Hasenstall PlayBunnyMansion, den

Hamster-Prater mit Riesenlaufrad, das Meerschweinchen-Gehege Machu Picchu und die Aquarium-Sets Arielle und Titanic. Lifestyle-Magazine feierten die schöne neue Kleintier-Welt; YouTuber hypten die Gehege der Möllers. Zeitweise kam deren 3D-Drucker-Park kaum hinterher.

Leider schmeckte den Vierbeinern der 3D-Kunststoff, und sie knabberten sich den Weg in die Freiheit; die Fische dagegen vertrugen das Material nicht und übten Rückenschwimmen.Die Folge: tausende mieser Reviews auf Amazon und Klagen von Tierhaltern. «Noch so ein Flop, und wir müssen zurück zu Mama ziehen», resümierte Leon.

«Das müssen wir echt verhindern», sagte Fynn. «Aber wie?»

Vulcano Pioniers: Verbrannte Erde

2017 gründeten der Fernwärmetechniker Udo Lohmann und sein Kumpel Kevin Flitzpape Vulcano Pioniers 2000. Bereits seit den 80ern in Planung, fehlte es den Visionären lange an Kapital. Schließlich floss Udos mütterliches Erbe in das Öko-Start-up, und Kevin fand den idealen Standort: die Stadt Daun in der deutschen Vulkaneifel. Nirgends sonst ist man für Umwelttechnologien so offen wie hier: Windräder ersetzen Wälder, SUVs werden mit veganen Ledersitzen ausgerüstet etc. Auch Udo und Kevin wollten am Trend verdienen: mit Vulkan-Immobilien!

Forscher bestätigten ihnen: Bei Bodenbewegungen von 3 mm pro Jahrzehnt wird es in 5000 Jahren warm unter den Füßen. Diese Ressource galt es zu nutzen: Am Nerother-Kopf-Kegel sollte eine Siedlung entstehen – zu 100% beheizt von Daun Under.

 

Kevin erwarb den Baugrund, dann suchten die Pioniers Käufer für die 86

geplanten Wohneinheiten. Sie verschickten 15.000 Hochglanz-Broschüren

und beauftragten eine aufwändige 3D-Animation. Danach waren die

Finanzen genauso erschöpft wie Kevin, der sich aus der Firma zurückzog.

Obendrein fanden sich nur zwei Interessenten: ein zu preissensibler Schwiegersohn («Da schmort die Alte in der Hölle billiger!») und ein peruanischer Vulkanologe, der bis zum Ausbruch im Jahr 7000 keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen würde.

Udo sah ein: Das Ganze war ein Rohrkrepierer. 2019 beantragte er Insolvenz. 2020 bekam er Post von den Seychellen: ein Foto von Kevin und Belinda, der Beamtin des Dauner Liegenschaftsamts. Ein schönes Paar! Auf einer schönen Yacht! Doch Udo dämmerte: Irgendwas war mit Kevin und den Vulkanen schiefgelaufen. Aber was?

Wider & Willig: A match made in hell

Torben Kleinschmidt und Peter Haase arbeiten beim Statistischen Bundes- amt. Bis auf die Kommastelle kennen sie die Massen, die in den Mägen der Nation und den Maschinen der Industrie landen. Sie wissen: Der Müll der einen Branche ist das Gold der anderen. Aus PET-Flaschen werden Fleecepullis, aus Schlacken wird Asphalt, aus Butter werden Berge. Perfekt!

Doch so akribisch die beiden Wirtschaftsdaten erfassten, so blind waren sie im Privaten. Eine Tüte Gummibärchen brachte die Erleuchtung: Liebe war Ressoucen-Verschwendung! So aß z. B. Torbens Verlobte wie er nur rote Gummibärchen; der Rest wurde entsorgt. Die Lösung: schon bei der Partner- wahl aufs passende Gegenstück achten – mit Matchmaking 2.0! Bislang wurden Beziehungen auf Sand gebaut: gemeinsame Hobbys, politische Haltungen, Sex-Appeal. Doch was bestimmt, ob man sich auf Dauer liebt oder hasst? Aversionen und Präferenzen, die sich ergänzen!

 

Hier setzt Wider & Willig an: Ein 486-seitiger Fragebogen findet den Menschen, der mag, was man selbst verachtet:

  • Bildung: Wer nur den Sportteil liest, wird mit einem Feuilleton-Leser verkuppelt.
  • Essen: Um Reste zu vermeiden, werden Veganer mit Carnivoren gematcht.
  • Kleidung: Wer auf verschieden großen Füßen lebt, findet ein Pendant und kauft sich nie mehr zwei gleiche Schuhpaare!
  • Wohnen: Nachtschwärmer trifft Frühaufsteher – der Zimmer- und Betten- bedarf sinkt.

Leider ist Amor kein Statistiker, und alle Dates scheiterten. Die Nachtwärte- rin mit Weizenallergie wies den Bäcker ab, der Fußballfan hasste die belesene Besserwisserin usw. Wider & Willig war im Nu pleite. «87,93 Prozent der Start-ups überleben kein Jahr», sagte Peter. «Kann man nix machen. Oder?»